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Oklahomas Ames-Krater mogelt beim Alter: Einschlagkrater um 100 Millionen Jahre jünger geschätzt

2026-10-04 Lesezeit: 4 min
Oklahomas Ames-Krater mogelt beim Alter: Einschlagkrater um 100 Millionen Jahre jünger geschätzt

Ein paar Jährchen auf dem Dating-Profil wegzumogeln, ist menschlich. Sich jedoch auf der geologischen Geburtsurkunde um eine geschlagene Epoche von 100 Millionen Jahren zu verjüngen – diese kosmische Dreistigkeit bringt wohl nur ein Krater in Oklahoma fertig.

Tief unter den Weizenfeldern von Major County verbirgt sich der 13 Kilometer breite Ames-Krater. Er gehört zu den lukrativsten kosmischen Unfällen der Geschichte: Tief in seinem zertrümmerten Gestein lagern Millionen Barrel wertvolles Erdöl und Erdgas. Drei Jahrzehnte lang führten Planetologen den Krater stolz als Zeugen des mittleren Ordoviziums vor 470 Millionen Jahren. Doch wie sich nun herausstellt, glich die damalige Altersbestimmung dem Versuch, das Baujahr eines Hauses anhand von Opas im Garten vergrabenen künstlichen Zähnen zu datieren.

☄️ Das Conodonten-Dilemma: Wenn Fossilien flunkern

In einer wegweisenden Studie in Meteoritics & Planetary Science deckte ein Team um Associate Professor Elizabeth Catlos (Jackson School of Geosciences, UT Austin) das Verjüngungsrätsel auf:

  • Der alte Kniff: In den 1990er-Jahren datierten Geologen die Trümmer anhand mikroskopischer Conodonten – zahnähnlicher Fossilien urzeitlicher aalartiger Meereswesen, die vor 467 Millionen Jahren lebten.
  • Gebrauchte Zähne im Trümmerfeld: Catlos und ihr Team erkannten, dass die Zähne nicht vom Einschlag stammen. Der Asteroid schlug in Gestein ein, das bereits 100 Millionen Jahre alt war, und wirbelte die uralten Fossilien wie Croutons in einem Mixer durcheinander.
  • Zirkone lügen nicht: Die Forscher extrahierten mikroskopische Zirkonkristalle aus dem geschockten Granitgrundgebirge. Beim Hyperschall-Einschlag eines Himmelskörpers setzen unvorstellbare Drücke und Temperaturen die radiometrische Uran-Blei-Uhr der Zirkone schlagartig auf null zurück.
  • Die kosmische Überraschung: Die neue Isotopenmessung ergab: Der Einschlag geschah nicht vor 467 Millionen Jahren, sondern vor rund 370 Millionen Jahren (präzise 369,7 Ma) – Ames ist also fast 100 Millionen Jahre jünger als gedacht!

Diese drastische Verjüngungskur erschüttert die Planetenforschung. Denn der Ames-Krater galt bislang als Kronzeuge einer faszinierenden Hypothese: dass die Erde einst ähnlich wie Saturn einen prächtigen Trümmerring besaß.

Jene Theorie besagt, dass vor 466 Millionen Jahren ein Riesenasteroid in Erdnähe zerschellte und die Erde über Jahrmillionen hinweg bombardierte. Da Ames nun aus dem Ordovizium-Klub geflogen ist, fehlt der Trümmerring-Hypothese plötzlich einer ihrer wichtigsten Pfeiler.

💥 Eintritt in die Ära des Massenaussterbens

Der Rauswurf aus dem Ring-Club ist zwar schade, doch der Ames-Krater schlüpft nun in eine ungleich dramatischere geschichtliche Rolle:

  • Kollision im Spätdevon: Das neue Alter von 370 Millionen Jahren platziert den Einschlag mitten in eine der tödlichsten Phasen der Erdgeschichte – das Kellwasser-Ereignis bzw. das Frasnium-Famennium-Aussterben, bei dem 75 % aller Meeresarten ausgelöscht wurden.
  • Außerirdischer Komplize? Zwar löst ein einzelner 13-Kilometer-Krater allein keinen globalen Kollaps aus, doch beweist der Fund, dass kosmische Treffer während dieser ohnehin fragilen Umbruchsphase zusätzliche Erschütterungen lieferten.
  • Weltweiter Krater-Check: Der Fund mahnt Geowissenschaftler weltweit, viele bisher rein biologisch datierte Einschlagkrater schleunigst mit moderner Zirkon-Kristallographie nachzumessen.

Wenn Sie also das nächste Mal über Ihr Alter grübeln, nehmen Sie sich ein Vorbild am Ames-Krater: Alles, was Sie brauchen, ist ein Team texanischer Geologen mit Atomuhren – und schon sind Sie hundert Millionen Jahre jünger als alle dachten.

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