Herzlichen Glückwunsch zum 427. Geburtstag! Störe der Großen Seen lebten schon vor Shakespeare
Wenn Sie morgens beim Blick in den Spiegel graue Haare entdecken, denken Sie an das Stör-Weibchen im Oberen See: Als Königin Elisabeth I. regierte und Shakespeare seine ersten Verse schrieb, zog dieser gepanzerte Koloss bereits friedlich seine Runden. Generationen von Fischereibiologen lehrten, Störe würden rund 100 bis 150 Jahre alt. Nun zeigt sich: Die Fische hielten ein 300-jähriges Geheimnis vor uns verborgen!
Laut einer Anfang September 2026 veröffentlichten Studie, die 44 Jahre kontinuierlicher Fang- und Markierungsdaten in den nordamerikanischen Großen Seen auswertete, wurde das Alter der Seestöre (Acipenser fulvescens) massiv unterschätzt. Männchen erreichen demnach bis zu 279 Jahre, während Weibchen unglaubliche 427 Jahre alt werden können!
🐟 Der Zählfehler im Flossenstrahl
Wie konnte die Wissenschaft drei Jahrhunderte übersehen? Bislang schnitt man dünne Scheiben aus den verknöcherten Flossenstrahlen und zählte Wachstumsringe wie bei einem Baumstamm. Doch ab dem 100. Lebensjahr verlangsamt sich der Stoffwechsel so drastisch, dass Jahrzehnte von Ringen zu einer mikroskopischen Linie verschmelzen.
Die neue Analyse verzichtete auf fehleranfällige Flossenschnitte und verfolgte stattdessen tausende markierte Einzeltiere über vier Jahrzehnte hinweg.
- Schwimmendes Denkmal aus dem 16. Jahrhundert: Ein heute 400 Jahre altes Tier erblickte um 1600 das Licht der Welt – lange vor der Amerikanischen Revolution oder der Gründung Kanadas.
- Im Club der Methusalems: Damit katapultiert sich der Süßwasser-Seestör in die oberste Liga der Wirbeltiere, direkt neben den 400 Jahre alten Grönlandhai und die Galápagos-Riesenschildkröte.
- Artenschutz neu berechnen: Da weibliche Tiere erst mit 25 bis 30 Jahren geschlechtsreif werden und nur alle vier bis sechs Jahre laichen, reißt der Verlust weniger Alttiere Lücken von Jahrhunderten in den Bestand.
🎂 Vier Jahrhunderte Tiefenentspannung
Das Geheimnis? Keine natürlichen Feinde als ausgewachsener Fisch, knöcherne Panzerplatten, frostige Winterstarre im Seegrund und ein Stoffwechsel, neben dem jedes Faultier wie ein Marathonläufer wirkt.
Wenn Sie das nächste Mal an den Großen Seen stehen und ein Schatten im Wasser gleitet, ziehen Sie ehrfürchtig den Hut: Dieser uralte Gigant war schon erwachsen, als Isaac Newton die Schwerkraft entdeckte.
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