Der 20-Meter-Dino mit spanischer Verwandtschaft: Brasiliens neu gekrönter Riesen-Sauropode
Bevor die Plattentektonik den Südatlantik aufriss, brauchte man für eine Reise von Südamerika nach Europa keinen elfstündigen Langstreckenflug – ein ausgedehnter, gemütlicher Spaziergang auf vier riesigen Beinen genügte völlig. Im Fachjournal Journal of Systematic Palaeontology haben Forscher nun Dasosaurus tocantinensis beschrieben: einen 20 Meter langen Kreidezeit-Riesen, der beweist, dass Langhals-Dinosaurier schon lange vor Erfindung von Fluglinien transatlantische Familientreffen feierten!
Die fossilen Knochen wurden bei Bauarbeiten für ein Güterterminal in Davinópolis im Bundesstaat Maranhão entdeckt. Arbeiter hielten die kolossalen Schenkelknochen zunächst für eiszeitliche Mastodonten. Doch als Paläontologen aus Brasilien und Spanien das 120 Millionen Jahre alte Gestein der Itapecuru-Formation freilegten, wurde klar: Es handelt sich um den mit Abstand größten jemals in Maranhão gefundenen Dinosaurier.
🦕 Dasosaurus im Steckbrief
So imposant war dieser gigantische Pflanzenfresser zu Lebzeiten:
- Gesamtlänge: Rund 20 Meter von Schnauze bis Schwanzspitze – länger als ein Stadt-Gelenkbus.
- Geologisches Alter: Frühe Kreidezeit vor etwa 120 bis 113 Millionen Jahren (Aptium).
- Anatomische Merkmale: Ausgeprägte Längsgrate auf den Schwanzwirbeln und ein charakteristischer Wulst an der Außenseite des Oberschenkelknochens.
- Familie: Somphospondyli, eine Gruppe gigantischer Sauropoden mit dichter, extrem belastbarer Knochenstruktur.
Zur weltweiten Sensation wird Dasosaurus durch seinen Stammbaum. Beim phylogenetischen Abgleich mit Sauropoden rund um den Globus zeigte sich: Sein nächster evolutionärer Verwandter lebte nicht im benachbarten Argentinien, sondern Tausende Kilometer entfernt in Morella, Spanien – der Sauropode Garumbatitan morellensis!
Wie kamen zwei fast identische Cousins auf verschiedene Kontinente? Vor 140 bis 120 Millionen Jahren hingen Südamerika, Afrika und Südeuropa im zerbrechenden Urkontinent Gondwana noch zusammen. Wanderungskorridore ermöglichten es gigantischen Tieren, von der iberischen Halbinsel über Nordafrika direkt ins heutige Nordostbrasilien zu wandern.
🏖️ Die traurigste Trennung der Erdgeschichte
Kreidezeitliches Familiendrama pur: Cousin Dasosaurus spazierte zum Strandurlaub ins tropische Brasilien, die Kontinentalplatten drifteten auseinander und plötzlich füllte sich der Atlantik mit unüberwindbaren Wassermassen. „Tut uns leid Garumbatitan, das Weihnachtsessen fällt aus – zwischen unseren Gärten ist ein Ozean entstanden.“
Der Fund von Dasosaurus tocantinensis unterstreicht Brasiliens Rolle als kreidezeitliche Völkerwanderungsstraße. Welche weiteren Weltenbummler noch im Schotter von Maranhão schlummern, werden künftige Ausgrabungen zeigen.
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