Ein kleiner Schritt für den Menschen, ein Riesenurlaub für Schimmelpilze: Mikroben campen im Mondstaub
Als Neil Armstrong seinen berühmten Satz über den kleinen Schritt für einen Menschen sprach, ahnte er wohl kaum, welche blinden Passagiere an seinen Profilsohlen klebten. Jahrzehntelang herrschte die Überzeugung, dass die gnadenlose Mondoberfläche mit ihrem Vakuum und der harten UV-Strahlung jeden irdischen Organismus in Sekundenschnelle sterilisiert. Doch eine in Science Advances veröffentlichte Studie widerlegt dieses Dogma: Gemeiner schwarzer Schimmel kann am Südpol des Mondes problemlos überdauern – geschützt im Schlagschatten von Astronautenstiefeln.
Ein internationales Team von Astrobiologen simulierte die extremen Bedingungen am Südpol des Mondes, wo die Artemis-Missionen landen sollen, und testete die Überlebensfähigkeit von Aspergillus niger (schwarzer Gießkannenschimmel) und sporenbildenden Bakterien.
🦠 Das Luxus-Camp im Astronauten-Profil
So verwandelt eine Zentimeter-Rille im Mondstaub die Todeszone in einen kosmischen Bunker:
- Flache Sonnenwinkel: Am Mondsüdpol steht die Sonne extrem tief über dem Horizont (1,5° bis 3°), wodurch selbst flache Bodenwellen permanente Schatten werfen.
- Null UV-Strahlung: Im vertikalen Schattenwurf der Stiefelrillen bricht die schädliche Sonnenstrahlung komplett ein.
- Melanin-Schutzpanzer: Die dunklen Pigmente der Pilzsporen wirken wie ein körpereigener Strahlenschutzschild gegen Streustrahlung.
- Gefriertrocknung statt Tod: Dem Vakuum trotzen die Sporen durch spontane Lyophilisation; sie fallen in eine Schockstarre und erwachen bei Feuchtigkeit sofort wieder zum Leben.
Für die Abteilungen des „planetaren Schutzes“ bei NASA und ESA ist das ein Albtraum. Bislang werden Hunderte Millionen Dollar investiert, um Raumsonden vor dem Start steril zu desinfizieren, damit keine irdischen Keime fremde Himmelskörper kontaminieren.
Hinterlassen Astronauten künftig Tausende Stiefelabdrücke im ewigen Eis des Südpols, schaffen sie unfreiwillig unzählige Brutstätten für konservierte Erdkeime. Wer später auf dem Mond nach fossilen Lebensspuren sucht, könnte am Ende bloß auf die Überreste eines Pausenbrots stoßen.
🏖️ „Danke für den Sonnenschirm, Neil!“
Aus der Sicht einer Schimmelspore hat die Menschheit Milliarden investiert, gewaltige Raketen konstruiert und ist 380.000 Kilometer ins All geflogen, nur um am Südpol einen Stiefelabdruck als Luxus-Sonnendach zu hinterlassen.
Die Zähigkeit irdischen Lebens übertrifft einmal mehr alle Erwartungen: Wir halten uns für die Bezwinger des Kosmos, doch unsere Mikroben sonnen sich bereits im Schatten unserer Schritte.
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