Kosmischer W10-Würfel: Hubble entdeckt riesiges zehneckiges 'Dekagon' am Südpol des Saturn
Falls Sie jemals einen Beweis dafür brauchten, dass das Universum von einem Pen-and-Paper-Spielleiter mit einer Vorliebe für polyedrische Würfel gesteuert wird: Schauen Sie sich den Saturn an.
Seit vier Jahrzehnten rätseln Planetenforscher über das gigantische, unheimlich symmetrische Hexagon, das den Nordpol des Saturn krönt. Doch in einer in Science Advances veröffentlichten Studie haben Astronomen anhand von Langzeitdaten des Hubble-Programms Outer Planet Atmospheres Legacy (OPAL) eine neue geometrische Sensation enthüllt: Um den Südpol des Saturn windet sich eine gigantische zehnseitige atmosphärische Welle – ein lupenreines Dekagon.
🪐 Die zwei Pole: Sechseck gegen Zehneck
Während der Norden des Saturn auf starre Disziplin setzt, herrscht am Südpol dynamisches Chaos:
- Das Nord-Hexagon (W6): Seit über 40 Jahren völlig unbeweglich, eiskalt und erstaunlich stabil.
- Das Süd-Dekagon (W10): 2023 erstmals schemenhaft auf Hubble-Aufnahmen zu sehen, trat es 2024 und 2025 gestochen scharf hervor, als der Saturn seinen südlichen Sommer der Erde zuwandte.
- In Bewegung: Im Gegensatz zum starren Nordpol wandert dieses Zehneck mit rund 10 km/h gemächlich ostwärts um den Südpolwirbel.
- Launische Flanken: Die Helligkeit und Dicke der Wolkenbänder an den zehn Kanten schwanken kontinuierlich.
Wie erzeugt ein rotierender Gasball überhaupt gerade Kanten und spitze Winkel? In der Strömungsmechanik können Jetstreams mäandrierende Rossby-Wellen formen. Wenn Windgeschwindigkeit und Planetenrotation harmonisch zusammenspielen, friert diese Welle scheinbar zu einem geometrischen Polygon ein. Doch während eine sechsseitige stehende Welle theoretisch gut verstanden ist, stellt eine wandernde zehnseitige Welle moderne Supercomputer-Modelle vor echte Herausforderungen.
Die beteiligten Forscher betonen, dass dies das erste Mal ist, dass ein solch regelmäßiges polygonales Jetstream-Muster in der südlichen Hemisphäre des Saturn dokumentiert wurde. Da der Saturn fast 30 Erdjahre für eine Sonnenumrundung benötigt, wechseln die Jahreszeiten extrem langsam – Forscher müssen Jahrzehnte Geduld aufbringen, um die Dynamik zu entschlüsseln.
🎲 Was kommt als Nächstes? Ein Ikosaeder?
Astronomen werden das Hubble-Teleskop weiterhin auf die südliche Hemisphäre richten, um zu sehen, ob das Dekagon stabil bleibt oder sich auflöst. Fest steht: Saturn hat beim intergalaktischen Würfelspiel eine glatte 20 gewürfelt.
Wenn Ihre Wetter-App also das nächste Mal Regen statt Sonnenschein ankündigt, seien Sie nachsichtig. Zumindest bildet die Erdatmosphäre nicht plötzlich wandernde Zehnecke, um Satelliten zu verwirren.
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