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Mikroben-Taxi mit Lichtantrieb: Würzburger Physiker bauen Mikro-Drohnen zum Hüten von Bakterien

2026-08-21 Lesezeit: 4 min
Mikroben-Taxi mit Lichtantrieb: Würzburger Physiker bauen Mikro-Drohnen zum Hüten von Bakterien

Seit dem Science-Fiction-Klassiker Die phantastische Reise träumt die Menschheit von mikroskopischen U-Booten, die durch unsere Adern gleiten, um Krankheitserreger zu vernichten. Doch die Physik im Mikrokosmos ist tückisch: Bei niedrigen Reynolds-Zahlen verhält sich Wasser für Objekte im Submikrometerbereich zähflüssig wie kalter Sirup. Einem Team von Nanophysikern der Universität Würzburg ist nun ein spektakulärer Coup gelungen: Statt auf Propeller setzen sie auf den Impuls von Licht und steuern Nanodrohnen, die lebende Bakterien wie eine Schafherde durch Flüssigkeiten manövrieren.

Die in Nature Nanotechnology vorgestellten winzigen Gefährte sind 50-mal dünner als ein menschliches Haar. Sie benötigen weder Batterien noch chemischen Treibstoff, sondern gewinnen ihren Vortrieb aus dem reinen mechanischen Rückstoß von Laserphotonen.

🛸 Hightech im Wassertropfen

So funktioniert das optisch angetriebene Mikrotaxi:

  • Asymmetrische Nanoantennen: Jede Drohne besteht aus strukturiertem Gold und Silizium mit speziell geformten Facetten, die einfallendes Laserlicht streuen.
  • Rückstoßantrieb: Wenn Photonen an den asymmetrischen Flanken reflektiert werden, erzeugt der Impulsübertrag einen winzigen, aber hocheffektiven Vorwärtsschub.
  • Steuerung über Polarisation: Durch einfaches Drehen des Polarisationswinkels des Lasers lässt sich die Drohne präzise in jede Raumrichtung lenken.
  • Das Bakterien-Rodeo: Im Experiment kreisten die Mikrodrohnen um schwimmende E.-coli-Bakterien, trieben sie zusammen und transportierten Einzeller huckepack durch Mikrokanäle.

In der viskosen Mikrowelt gibt es keinen Nachlauf: Hört der Antrieb auf, steht das Teilchen auf der Stelle. Durch die kontinuierliche Kraftübertragung des Lichts erreichen die Würzburger Drohnen Geschwindigkeiten von Dutzenden Körperlängen pro Sekunde – wendiger als jedes biologische Bakterium.

Die Zukunftsvision geht weit über das bloße Treiben von Keimen hinaus: In der Krebstherapie könnten solche Nanodrohnen eines Tages Medikamente punktgenau zu Tumorzellen navigieren, ohne gesundes Gewebe zu belasten.

🚕 „Ihr Taxi steht bereit!“

Man stelle sich ein einzelnes Bakterium in einer Petrischale vor, vor dem plötzlich goldglänzende Mikrodrohnen mit Laserantrieb stoppen: „Einsteigen bitte! Fahrtziel Lymphknoten – Trinkgeld wird ausschließlich in Glukose akzeptiert.“

Die Realität überholt die Fiktion: Winzige, lichtgelenkte Schafhirten ebnen den Weg für eine völlig neue Ära der Mikrochirurgie und Nanomedizin.

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