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Vorhang auf für Wyoteuthis: Der dickste Jura-Tintenfisch vor 160 Millionen Jahren sah aus wie ein schwimmendes Bierfass

2026-10-26Lesezeit: 4 min
Vorhang auf für Wyoteuthis: Der dickste Jura-Tintenfisch vor 160 Millionen Jahren sah aus wie ein schwimmendes Bierfass

Wenn die Popkultur Meeresbewohner der Jurazeit darstellt, serviert Hollywood puren Albtraumstoff: zähnefletschende Plesiosaurier, busgroße Pliosaurier und pfeilschnelle, torpedoförmige Kopffüßer, die wie Unterwasserraketen durch die Urzeitmeere zischen. Mutter Natur bevorzugte jedoch hin und wieder hemmungslosen Humor – und vor 160 Millionen Jahren schuf sie einen Tintenfisch, der verblüffende Ähnlichkeit mit einem schwimmenden Eichenholz-Bierfass hatte.

Im renommierten Fachjournal Papers in Palaeontology stellten Forscher nun offiziell Wyoteuthis linsterorum (zu Deutsch: „Wyoming-Tintenfisch“) vor. Dieser ausgestorbene Cephalopode schwamm im späten Jura durch ein flaches, warmes Binnenmeer im heutigen Westen der USA. Doch während seine Artgenossen auf messerscharfe Hydrodynamik setzten, entschied sich Wyoteuthis für kompromisslose Leibesfülle.

🦑 Anatomische Analyse eines urzeitlichen Fässchens

In der Welt der Belemniten – jener ausgestorbenen Vorfahren heutiger Kalmare, deren fossile Innenskelette („Donnerkeile“) normalerweise schlank und geschossförmig sind – beträgt der Durchmesser meist nur ein bis zwei Zentimeter. Wyoteuthis sprengte diese Norm gründlich:

  • Das Mega-Innenskelett: Sein fossiles Rostrum ist rund 10 Zentimeter lang, bringt es aber auf eine gewaltige Breite von 6 Zentimetern. Damit ist es der mit Abstand dickste Belemnit, der je von der Wissenschaft beschrieben wurde.
  • Gesamtlänge des Tieres: Während das harte Innenskelett an einen prallen Kegel erinnert, schätzen Paläontologen das lebendige Tier inklusive Armen, Mantel und Flossen auf rund 60 Zentimeter Länge – ein stattlicher, kugeliger Wasserbewohner.
  • Fundort im Urzeit-Meer: Beide bekannten Fossilien stammen aus der berühmten Sundance-Formation in Wyoming, die vor 160 Millionen Jahren den Meeresboden eines tropischen Flachmeers bildete.
  • Drei Jahrzehnte im Archiv: Das erste Exemplar wurde bereits Ende der 1990er-Jahre von Dr. Burkhard Pohl entdeckt, verstaubte jedoch fast 30 Jahre in Museumsschubladen, ehe ein zweiter Fund des Sammlers Cliff Linster die detaillierte Neubewertung auslöste.

Neben seinen kuriosen Proportionen sorgte Wyoteuthis für eine handfeste Überraschung in der Evolutionsforschung. Hochauflösende CT-Scans bewiesen, dass das Tier zur Familie der Megateuthididae gehörte. Diese Gruppe galt in der Wissenschaft eigentlich seit rund 20 Millionen Jahren als vollständig ausgestorben. Der Fund beweist, dass das warme Sundance-Flachmeer als ideales ökologisches Refugium diente, in dem diese uralte Tintenfisch-Linie unbemerkt überlebte.

Wie jagte ein derart kugeliges Geschöpf überhaupt? Anders als moderne Kalmare, die mit hoher Geschwindigkeit davonschießen, vermuten Paläontologen bei Wyoteuthis eine gemütliche Lauerjagd nahe dem Meeresboden. Schwebend über Korallenriffen lauerte das Wesen vermutlich auf langsame Krebse, Schnecken und Muscheln, die ein herantreibendes „Bierfass“ schlicht nicht als tödlichen Jäger erkannten.

🌊 Das inoffizielle Maskottchen für urzeitliche Gemütlichkeit

Fossilienfans im Netz feierten den Neuzugang bereits als „den pummeligsten Tintenfisch des Erdmittelalters“ und als „Seekuh der Kopffüßer“.

Ein Forscher scherzte: „In einem Ozean voller furchterregender, zwölf Meter langer Spitzenprädatoren hat Wyoteuthis Jahrmillionen überlebt, indem es einfach beschloss, als kugelrundes, tiefenentspanntes Fass durchs Wasser zu treiben.“

Wenn Sie sich also das nächste Mal nach einem üppigen Festessen über Ihre Figur Gedanken machen, denken Sie an das späte Jura: Manchmal ist es in der Natur gar kein Nachteil, das rundeste Wesen im ganzen Ozean zu sein.

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